Ich binde auf dieser Webseite ein knappes dutzend Webservices über APIs (Schnittstellen) ein und dabei fällt mir eins auf: kein einziger Service stammt aus Deutschland, nur einer aus Europa. Und dass, wo doch gerade hier in Deutschland der Begriff „Web2.0“ an jeder Straßenecke klebt. Mal ehrlich: ein Web2.0 ist in Deutschland doch gar nicht existent!
Wenn ich eine Webseite bastel, in der ein User sein Video hochladen kann, ein anderer dieses kommentieren kann und es schon das Höchste ist, wenn man diese Kommentare auch noch als RSS-Feed abonnieren kann, dann ist das kein Web2.0.
Ich möchte dieses Begriff auch nicht weiter zerpflücken oder gar versuchen zu deuten. Ich mag dieses „Web2.0“ Gedöns auch nicht, dieser Begriff wird einfach zu oft von Menschen missbraucht, die überhaupt keine Ahnung von der Materie haben aber leider oftmals in den sogenannten „Entscheidungspositionen“ stehen und (altes) Wasser als Wein verkaufen.
Johannes Kleske fasst es prägnant zusammen:
Wir (Deutschland/Europa) bauen immer noch einfach nur Websites.
Und genauso ist es. Mir fällt auf Anhieb kein einziger Service in Deutschland ein, der seine Daten über eine API (kostenlos) zur Verfügung stellt, damit man die Seite um einen Mehrwert ergänzen kann. Denn das ist für mich ein Teil dieses ominösen Web.2.0.
Wozu auch?
Um bei dem Beispiel „Videoupload“ zu bleiben: hier auf dieser Seite habe ich eine Seite die sich „Sturmfrei“ nennt. In diesem findet sich eine Liste meiner zuletzt gehörten Songs (via last.fm, Großbritannien) und jeder einzelne Song bindet automatisch ein Video von Youtube (USA). Hier ein Beispiel. Derzeit sind in der Liste etwa 1100 Songs, also 1100 mal verweise ich mit einem Link auf Youtube und 1100 mal kann Youtube zeigen wie groß sein Angebot ist. Und jeden Tag kommt etwa 100 mal Youtube dazu.

Ein schöner Gewinn für Youtube, oder? Weder der Aufwand noch die Kosten sind erwähnenswert, denn der zusätzliche Traffic (mehr Kosten fallen mir nicht ein) für eine solche Video-Sharing Community fällt doch kaum noch ins Gewicht. Von mir aus könnten sie vor jedes Video noch einen kurzen Werbespot knallen, mir ist es egal – und schon gibt es 1100 mal zusätzlichen Gewinn.
Warum deutsche Firmen Angst vor APIs haben
Es gibt in Deutschland 3 große Videosharing-Anbieter: Sevenload, MyVideo und Clipfish und keine dieser Firmen stellt mir eine API zur Verfügung. Warum nicht? Mir fallen nur wenige Gründe ein:
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Es fehlt das technische Know-How Unwahrscheinlich. Wer eine Website mit mehreren Millionen Hits und Traffic jenseits von Gut und Böse verwalten kann, kriegt auch eine API hin.
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Sowas braucht niemand Richtig, niemand braucht es so unbedingt. Von euch schon gar nicht, es gibt ja Amerikaner die nicht die Arme verschränken. Aber schön währe es trotzdem und was spricht gegen den oben genannten Gewinn?
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Die Rechtsfrage/Verantwortlichkeit ist ungeklärt Der Punkt fällt aus, da jede Seite die Videos auch mehr oder weniger zur Verfügung stellt. Nämlich als Flash-HTML-Schnipsel zum Einbauen in die Webseite. Das Endprodukt ist dasselbe wie aus einer API, nur ohne die Flexibilität.
Der wahre Grund ist wohl vielmehr:
- Die Mutterfirma möchte die Gewinne ganz für sich alleine abgreifen.
Alle oben genannten Firmen haben enge Verbindungen zu Fernsehsendern. RTL wirbt stark für Clipfish und ProSieben ist eng mit Sevenload und MyVideo verbandelt. Und möglicherweise sitzen dort gerade die Leute, dich ich anfangs als „Entscheidungsträger“ definierte. Ein Blick in die AGBs von Clipfish bestätigt auch meinen Gedanken:
VI. Rechteeinräumung Der Nutzer gestattet Clipfish, die eingestellten Inhalte für die Erbringung der unter clipfish.de abrufbaren Dienstleistungen zu nutzen und räumt Clipfish die hierfür erforderlichen Rechte an den Inhalten unentgeltlich ein. Dieses Nutzungsrecht beinhaltet insbesondere das Recht, die Inhalte über clipfish.de oder gegebenenfalls andere Medien weltweit öffentlich zugänglich zu machen, sie zu vervielfältigen, zu verbreiten und auf Dritte zu übertragen.
Oder überspitzt formuliert:
„Sobald du dein Video hochlädst gehört es uns, ganz allein! Wir senden es, verkaufen es und versuchen möglichst viel Schotter abzugreifen. Nur wir! Ganz allein! Nicht du als Nutzer, und schon gar nicht du als Uploader“
Wenn so mein Geschäftsmodell funktioniert, welches Interesse habe ich dann noch, meinen Content flexibel und frei zur Verfügung zu stellen? Richtig, keinen. Und da viele Firmen in Deutschland so denken, wird diese API-Geschichte -- oder nennt es Web2.0 -- oder nennt es wie ihr wollt -- nicht so schnell funktionieren.
Überlassen wir das besser den anderen und kopieren später die Ideen.
carsten April 4, 2008
Jo, dem kann ich voll und ganz zustimmen. Wir versuchen auch schon seit geraumer Zeit für den beiderseitigen Mehrwert an API's zu kommen. Sei es als Moduleinbindung in unsere Produkte oder eben direkt auf unseren Seiten.
Ich würde allerdings den Punkt warum es kaum deutsche/europäische API's gibt noch etwas erweitern. könnte das ggf. auch mit der ängstlichkeit der Entscheidungsträger zu tun haben? Möglicherweise auch nur aus der Unwissenheit heraus resultuierend was es denn genau mit der API auf sich hat? > "Könnten da nicht unsere sensiblen Firmendaten missbraucht werden?"
Übrigens bietet MyVideo - ich weiss leider nicht seit wann - unter http://www.myvideo.de/news.php?rubrik=becvn eine API an. It's easy to use.
carsten